Unterstützung durch den „Digitalen Zwilling“ in der Instandhaltung

Für viele Bauprojekte und -beteiligte ist es in Deutschland noch immer Zukunftsmusik, allerdings ist der Trend klar abzusehen. Im Jahr 2017 wurde jedes fünfte Bauprojekt mit der Hilfe einer gemeinsamen BIM-Plattform zur besseren Koordination der Gewerke genutzt.

Lediglich zwei Jahre später waren es bereits 28%, laut einer Studie des Düsseldorfers Marktforschungsinstitut BauInfoConsult. Dabei bietet die Nutzung eines digitalen Zwillings nicht nur in der Bauprojektphase massive Vorteile für alle Beteiligten, sondern gerade auch in der nachgelagerten Wartung und Instandhaltung der technischen Anlagen und der Immobilie. Immerhin fallen über den kompletten Lebenszyklus eines Gebäudes gut das 1,2-fache der ursprünglichen Baukosten für die Instandhaltung an, wie das Beratungshaus Rotermund Ingenieure ermittelt hat.

Screenshot Axxerion BIM Integration

Grund genug also, auch nach Übergabe der Immobilie an das FM und an die Dienstleister auf ein BIM-Modell zu bestehen, um bis zu 15% der Kosten zu senken, Zeit zu sparen und über den kompletten Lebenszyklus fundierte Entscheidungen zu treffen. Moderne Computer Aided Facility Management Systeme, kurz CAFM, bieten die Möglichkeit, dass BIM-Modelle umfangreich in die tägliche Arbeit des Facility Managers und der Dienstleister integriert werden können.

BIM-Modelle bestehen nicht nur aus bunten Polygonen, sondern werden bestenfalls im Laufe der Bauprojektphase mit vielen wertvollen Daten gefüllt. So können bereits während der Konstruktion Angaben zu Eigenschaften, Mengen, Wartungszyklen, und zur Lebensdauer der technischen Anlagen im digitalen Zwilling gemacht werden. Damit die Daten auch bei der späteren Betreuung der Wartung und Instandhaltung verwendet werden können, setzt es voraus, dass das BIM-Modell von den Projektbeteiligten stetig aktualisiert wurde. Nur dann ist es sinnvoll, dass das BIM-Modell auch zur Verwaltung der technischen Anlagen im Facility Management herangezogen wird. Beim Import der BIM-Modelle ist es daher besonders wichtig, dass die für den Facility Manager richtigen Attribute in das CAFM übertragen werden. Ein wichtiges Merkmal könnte z.B. die Klassifizierung der DIN 276 sein. CAFM-Systeme, die eine Integration des Regelwerks-Informationssystem für das Facility Management, kurz REG-IS, von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Rödl & Partner unterstützen, bieten mit der Angabe der Gebäudeart, dem geographischen Standort und der DIN 276 eine gute Basis, um die Pflichtenkataloge der Gesetze und Verordnungen, aber auch um umfangreiche Prüflisten (Checklisten) abzufragen und als digitalen Wartungsprozess im CAFM abzubilden.

 

Den Facility Managern und Dienstleistern wird damit ein Tool an die Hand gegeben, das oft teure Regiestunden reduziert, indem der digitale Zwilling den Standort einer Anlage im BIM-Modell farblich markiert und hervorhebt. So kann mit Hilfe von cloudbasierten CAFM-Systemen und Tablets auf das vollständige BIM-Modell eines Gebäudes zurückgegriffen werden und Zeit bei der Verortung von Anlagen vermindert werden, aber auch um technische Spezifikationen und Dokumentation einzusehen. Neben den technischen Vorteilen ergibt sich auch aus kaufmännischer Sicht ein Vorteil für den Vermieter oder Immobilieninvestor, indem ein dokumentierter digitaler Zwilling den Marktwert um gut 2% erhöht, so eine aktuelle Studie vom CAFM-Hersteller „Spacewell – a Nemetschek Company“.

 

  • Gastbeitrag von Maxilimilian Jöne in: Amir Abbaspour „Digitales Bauen mit BIM – UseCase Management im Hochbau“ (Arbeitstitel; der finale Buchtitel steht zum Zeitpunkt des Erstellung dieses Newsletterartikels noch nicht fest), Beuth Verlag in Kooperation mit buildingSMART Deutschland bSD Verlag, Berlin

[Maximilian Jöne ist staatlich geprüfter Betriebswirt für Wirtschaftsinformatik und Fachinformatiker für Systemintegration. Seit 2013 ist er Niederlassungsleiter der InCaTec Solution GmbH in Münster. Seit 2010 ist Maximilian Jöne bei Axxerion Facility Services für zahlreiche Implementierungsprojekte in der Immobilienwirtschaft, im Gebäudemanagement, im Gesundheitswesen, in der Life-Science-Branche, sowie im Facility Management verantwortlich und verfügt über umfassende systemtechnische Erfahrungen in der Implementierung von Axxerion.]

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